Briefe: UID ist Cursor (keine Identitaet), Backup-Weg ohne Stillstand

uid-delta-brief.md:
  UIDVALIDITY+UID waehlt nur KANDIDATEN aus. Body wird weiterhin geladen,
  Identitaet weiterhin aus canonicalMessageBytes berechnet. body_sha256
  bleibt die Wahrheit; die UID spart nur den Download alter Kandidaten.

backup-brief.md (Pos-81):
  DB und mbox sind NICHT symmetrisch abhaengig - mbox ohne DB ist per
  Reindex heilbar, DB ohne mbox ist wertlos. Gefaehrlich ist allein
  neuere DB + aeltere mbox. Daraus die Reihenfolge-Regel: DB zuerst.

  Gemessen: /mnt/DATA ist ext4 ohne LVM -> atomarer Snapshot unmoeglich.
  Aber mbox ist strikt append-only (06-mbox.go:61, kein O_TRUNC/Truncate/
  Rename), und MAX(file_offset+frame_len) aus mbox_index ist die exakte
  Schreib-Wasserlinie - ueber alle 228 mbox-Dateien 0 Abweichungen.
  Daraus: VACUUM INTO + Praefix-Kopie = konsistenter Stand OHNE Stillstand.
  Falle notiert: mbox_index_state.indexed_bytes ist NICHT die Wasserlinie.

Co-Authored-By: Claude Opus 4.8 <noreply@anthropic.com>
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# Codex-Brief — Sicherung des Archivs (mbox + DB als EIN Stand)
Betrifft Pos-81 des Ledger-Vorgangs
`netcup-svr-mail-graveyard-eklarner-sicherung-2026-07-16`.
## Die Regel
**mbox ist der Inhaltsbeleg, die DB ist Index und Zustandsbuchhaltung. Beide
gehoeren in denselben Sicherungszeitpunkt — aber nur die DB ist aus der mbox
rekonstruierbar.**
Die Abhaengigkeit ist **nicht symmetrisch**. Das ist der Kern:
| Kombination | Bewertung |
|---|---|
| mbox ohne DB | **heilbar.** `--reindex` baut den Index vollstaendig neu (`main.go:26`, `ReindexArchives`, plain und zstd). Wir haben das bei der Index-Drift real benutzt. |
| DB ohne mbox | **wertlos.** Die DB enthaelt nur Offsets, Hashes und Zustaende — keinen einzigen Mailinhalt. |
| **neuere mbox + aeltere DB** | **grundsaetzlich heilbar** per Reindex. Die ungefaehrliche Richtung. |
| **neuere DB + aeltere mbox** | **GEFAEHRLICH.** `copied` markiert eine Mail als gesichert, obwohl ihr Archivdatensatz im Backup fehlt. Ein stiller Verlust, der sich als gruener Haken tarnt. |
Daraus folgt eine Reihenfolge-Regel, falls kein gemeinsamer Stand erzeugt
werden kann: **erst die DB sichern, dann die mbox.** Dann ist die mbox im
Backup immer die neuere — die heilbare Richtung. Die umgekehrte Reihenfolge
produziert exakt den gefaehrlichen Fall.
## Was der Host hergibt
Gemessen auf netcup-svr am 2026-07-16:
```
/mnt/DATA ext4 auf /dev/vda4, noatime lazytime
LVM nicht vorhanden
btrfs/ZFS nicht vorhanden
SQLite journal_mode=wal, WAL 34 MB unmerged, integrity_check=ok
data/ + backup/ liegen unter EINEM Elternbestand
(/mnt/DATA/Containers/Test-Container/Mail-Graveyard-Pod/)
```
**Der atomare Dateisystem-Snapshot — die eigentlich beste Loesung — steht auf
diesem Host nicht zur Verfuegung.** Ein Wechsel auf LVM/btrfs/ZFS waere die
saubere Antwort, ist aber ein Eingriff am laufenden Rettungsbetrieb. Nicht
jetzt.
Nebenbefund: Ein blosses `cp` der `.db` ohne `-wal` wuerde die neuesten 34 MB
Zustand verlieren. Das ist zufaellig die *heilbare* Richtung (aeltere DB), aber
verlassen darf man sich darauf nicht.
## Der Weg, den das Append-Only-Design erlaubt
Zwei gemessene Eigenschaften machen einen dritten Weg moeglich, der **keinen
Stillstand braucht**:
**1. Die mbox-Dateien sind strikt append-only.**
```go
// 06-mbox.go:61 — der einzige Schreibpfad
f, err := os.OpenFile(path, os.O_CREATE|os.O_APPEND|os.O_WRONLY, 0o600)
```
Kein `O_TRUNC`, kein `Truncate`, kein `Rename`, keine Kompaktierung in der
gesamten Datei. **Einmal geschriebene Bytes aendern sich nie mehr.** Ein
Praefix `[0, N)` ist damit zu jedem spaeteren Zeitpunkt byte-identisch mit dem
Stand von damals.
**2. Die DB kennt die exakte Schreib-Wasserlinie.**
`MAX(file_offset + frame_len)` aus `mbox_index` ist per Konstruktion eine
Grenze auf vollstaendigen Datensaetzen. Geprueft ueber **alle 228
mbox-Dateien**: 0 Abweichungen zur echten Dateigroesse.
> Nicht verwenden: `mbox_index_state.indexed_bytes`. Das ist eine Lese-/
> Viewer-Marke (`02-database.go:281` setzt sie beim Reindex auf `-1`) und laeuft
> dem Schreibstand um Groessenordnungen hinterher — bei e.klarner/INBOX 4,5 MB
> gegenueber 9,4 GB Datei. Diese Falle hat mich beim Entwurf einmal erwischt.
### Das Verfahren
```
1. VACUUM INTO '<snap>/mail-graveyard.db'
-> konsistenter DB-Stand einer LAUFENDEN WAL-Datenbank, ohne Stopp.
SQLite garantiert das; WAL und -shm werden mit aufgeloest.
2. Aus DIESEM Schnappschuss je Konto/Ordner:
N = SELECT MAX(file_offset+frame_len) FROM mbox_index WHERE ...
3. Je mbox die ersten N Bytes kopieren (in Ruhe, waehrend das Tool weiterlaeuft).
4. Fertig. Kein Stillstand, kein LVM, kein Stoppen der Container.
```
**Warum das ein Stand ist und kein Widerspruch:** N stammt aus dem
DB-Schnappschuss selbst. Jeder `copied`- und jeder `mbox_index`-Eintrag darin
liegt per Konstruktion vollstaendig innerhalb des Praefix. Mails, die waehrend
des Kopierens ankommen, liegen jenseits von N und sind in **beiden** Haelften
abwesend. Die gefaehrliche Kombination „neuere DB + aeltere mbox" kann gar
nicht entstehen — nicht weil wir schnell sind, sondern weil das Paar
konstruktiv einen Zeitpunkt beschreibt.
Sollte doch etwas driften, zeigt es in die heilbare Richtung (Praefix enthaelt
mindestens, was die DB kennt → Reindex).
### Der Fallback, falls Schritt 1-3 nicht gebaut wird
Deine urspruengliche Variante bleibt gueltig und ist als Handgriff sofort
verfuegbar: schreibende Container kurz stoppen, WAL sauber checkpointen
(`PRAGMA wal_checkpoint(TRUNCATE)`), gemeinsamen Kopierstand erzeugen, starten.
Nur: ohne Snapshot-Dateisystem muesste hier fuer die vollen 42 GB gestoppt
werden — genau das vermeidet der Praefix-Weg.
## Was zu bauen ist
```
--snapshot <zielverzeichnis> erzeugt DB-Schnappschuss + mbox-Praefixe
--verify-snapshot <verzeichnis> prueft einen Stand isoliert durch
```
## Fallstricke
1. **N NIEMALS per `stat` von der Datei nehmen.** Dann kann die Grenze mitten in
eine gerade geschriebene Mail fallen. N kommt aus dem DB-Schnappschuss,
sonst ist die ganze Garantie hin.
2. **Reihenfolge ist Teil der Korrektheit:** erst `VACUUM INTO`, dann N daraus
lesen. Nicht umgekehrt, nicht aus der Live-DB.
3. **`indexed_bytes` ist nicht die Wasserlinie** (s. o.).
4. **Der Snapshot ist kein Backup.** Er liegt auf derselben Platte. Er ist die
Vorstufe: von ihm wird raeumlich getrennt und moeglichst verschluesselt
weggeschrieben.
5. **Kein stiller Default.** Ohne Flag aendert sich nichts.
## Abnahme
1. `go test ./...` gruen.
2. `--snapshot` waehrend eines **laufenden** Migrationslaufs: Der Stand muss
danach in sich stimmen. Das ist der eigentliche Test — ein Snapshot im
Leerlauf beweist nichts.
3. **Restore isoliert testen** (nicht auf der Produktions-DB):
- `PRAGMA integrity_check` = ok
- `--reindex all --rebuild` auf dem Restore laeuft durch
- **Indexanzahl** stimmt mit `SELECT COUNT(*) FROM mbox_index` des
Schnappschusses ueberein
- **Hashabdeckung**: jede `copied`-Zeile mit `body_sha256 <> ''` hat einen
`mbox_index`-Eintrag
- **Pending-Stufen**: `mbox_done`/`target_done` plausibel, keine Zeile mit
`mbox_done=1` ohne Archivdatensatz
4. **Der Restore-Test gehoert wiederholt gefahren, nicht einmal.** Ein Backup,
das nie zurueckgespielt wurde, ist eine Behauptung.